Einführung

Willkommen bei der Informationspräsentation für Prüfärzte der RECUT-Studie!

Sie werden hier über die wichtigsten Aspekte der "Guten Klinischen Praxis" (Good Clinical Practice, GCP) für Prüfärzte in klinischen Studien informiert.

Die Präsentation besteht aus zwei Teilen:

  • Vorstellung der RECUT-Studie
  • Aufgaben des Prüfarztes

Vorstellung der RECUT-Studie

Klinische Forschung am KSBL (Kantonsspital Baselland)

Die Forschungsgruppe unter der Leitung von Prof. Dr. med. Jörg Leuppi und PD Dr. med. Thomas Dieterle koordiniert sowohl eigene als auch industrie-gesponserte Projekte.

Einige der Studien sind auf dem Gebiet der Pneumologie angesiedelt. Z.B. die schweizerische COPD-Kohorte.

Verschiedene Projekte werden in Zusammenarbeit mit dem Institut für Hausarztmedizin in Basel (IHAMB) durchgeführt.

COPD

  • Prävalenz in der Schweiz: 5-7%
  • Weltweit die vierthäufigste Todesursache
  • Bei Exazerbationen verstärken sich Atemnot, Husten und Auswurf.
  • Exazerbationen werden unter anderem mit Glucocorticoiden behandelt.
  • Nach neuesten Leitlinien wird eine Exazerbations-Therapie mit 40 mg Prednison 1 x täglich über 5 Tage empfohlen.

COPD Exazerbation

Definition

Akute Verschlechterung der respiratorischen Symptomatik, welche die normalen Variationen übersteigt oder eine Medikationsänderung nötig macht.

Therapieoptionen

  • O2-Gabe
  • kurzwirksame Bronchodilatatoren
  • systemische Corticosteroide
  • Antibiotikagabe

Vorgängerstudie: REDUCE

2013 veröffentlichte das Studienteam die Resultate der REDUCE-Studie, welche zeigten, dass bei einer Hospitalisation aufgrund einer COPD-Exazerbation eine 5-tägige Steroidtherapie einer bis dahin üblichen 14-tägigen Steroidtherapie nicht unterlegen war.

Die internationalen GOLD-Leitlinien wurden daraufhin angepasst.

Durch diese Anpassung können die kumulative Steroiddosis bei COPD-Patienten reduziert und kurz- und langfristige Nebenwirkungen vermieden werden.

Aktuelle Studie: RECUT

These: Eine Reduktion der Therapiedauer um 40 % hat bei ambulant behandelten Patienten den gleichen Effekt wie die Standardbehandlung.

Methode: Die Patienten erhalten die verblindete Studienmedikation in vorgefertigten Blistern.

Interventionsgruppe: 3 Tage 40 mg Prednison, dann 2 Tage Placebo

Kontrollgruppe: 5 Tage 40 mg Prednison

Medizinische Entscheidungsfreiheit in der Studie

  • Der behandelnde Arzt ist frei in seinen therapeutischen Entscheidungen.
  • Bei Bedarf kann auch Prednison zusätzlich zur Studienmedikation verordnet werden.
  • Im Notfall kann die Studienmedikation gestoppt oder eine Entblindung vorgenommen werden.
  • Eine antibiotische Therapie ist erwünscht, wenn eines der folgenden Kriterien vorliegt:
    • CRP > 50 mg/L
    • Vorliegen von Bronchiektasen
    • Zunahme aller 3 Symptome: Husten, Dyspnoe, Auswurf

Aufgaben der Prüfärzte

1. Aufgabe: Potentielle Teilnehmer identifizieren

Einschlusskriterien

Alle Einschlusskriterien müssen erfüllt sein:

  • Unterschriebener Informed Consent
  • Alter ≥ 40 Jahre
  • ≥ 10 Pack-Years
  • FEV1/FVC ≤ 70 %
  • Exazerbation (verstärkte Atemnot, Husten und Auswurf)

Ausschlusskriterien

Kein Einschluss, wenn Folgendes vorliegt:

  • ACOS mit führender Asthmasymptomatik
  • Hospitalisationsbedarf
  • Schwangere oder stillende Frau
  • Risiko für Schwangerschaft
  • Lebenserwartung < 6 Monate
  • Aktive Tuberkulose
  • Schwere Immunsuppression
  • Unfähigkeit, Studie zu folgen
  • Teilnahme an anderer Studie
  • Bereits in RECUT eingeschlossen

2. Aufgabe: Einverständnis einholen

Der Informed Consent Prozess

Woraus besteht der Informed Consent?

Unterlagen für den Informed Consent der RECUT-Studie

Wie reagieren die Teilnehmer? PRO

  • Hoffnung auf neue und bessere Therapie und erstklassige Behandlung
  • „Stolz“, angefragt worden zu sein
  • Kostenfreie Behandlung und Medikamente
  • Finanzielle Aspekte (Probandenstudien)
  • Altruismus (will anderen helfen…)

Wie reagieren die Teilnehmer? CONTRA

  • Bei randomisierten Studien: Komme ich in den Placeboarm?
  • Unbekannte Risiken
  • Aufwand, zusätzliche Visiten
  • Misstrauen gegen Forschung an sich

Hürden im Informed Consent Prozess

Tipps für den Informed Consent Prozess

QUIZ

Eine oder mehrere Antworten sind richtig.

Was ist beim Aufklärungsgespräch hilfreich?

  • Verwendung exakter Fachbegriffe
  • Sich auf das Niveau des medizinischen Laien begeben
  • Kurzes Gespräch, Fragen werden dann im Verlauf der Studie geklärt
  • Kurze Sätze formulieren
  • Den Patienten ermutigen, Fragen zu stellen

QUIZ - Lösungen

Was ist beim Aufklärungsgespräch hilfreich?

Hilfreich ist…

  • Verwendung exakter Fachbegriffe
  • Sich auf das Niveau des medizinischen Laien begeben
  • Kurzes Gespräch, Fragen werden dann im Verlauf der Studie geklärt
  • Kurze Sätze formulieren
  • Den Patienten ermutigen, Fragen zu stellen

3. Aufgabe: Konsultationen und Abgabe der Studienmedikation

Übersicht

  • Es gibt drei Konsultationen: Tag 1, Tag 3, Tag 7
  • Es darf eine Abweichung von einem Tag geben.
  • Jedes Mal werden Angaben in ein Formular eingetragen.
  • Sollten Sie kein Spirometriegerät haben, kann Ihnen das Studienzentrum eines zur Verfügung stellen.

Konsultation 1

  • Tag 1
  • Notfallkonsultation
  • Exazerbationstherapie
  • Patientenliste ergänzt und zusammen mit Consent an Studienzentrum gefaxt
  • Informed Consent → Studieneinschluss
  • Aktuelle Untersuchungsresultate
  • Termine für Tag 3 und 7 vereinbaren

Konsultation 2

  • Tag 3, +/- 1 Tag
  • Verlaufsbericht und Nebenwirkungen
  • Therapiemodifikationen
  • Aktuelle Untersuchungsresultate

Konsultation 3

  • Tag 7, +/- 1 Tag
  • Verlaufsbericht und Nebenwirkungen
  • Therapiemodifikationen
  • Zusätzlich allgemeine Angaben, Vorgeschichte, Medikation und Komorbiditäten
  • Aktuelle Untersuchungsresultate
  • Wichtig: Für Tag 7 bitte etwas mehr Zeit einplanen!

Umgang mit der Studienmedikation

  • Lagerung bei kontrollierter Raumtemperatur, nicht über 25°C
  • Dokumentation von Ein- und Ausgang der Studienmedikation wird vom Studienzentrum übernommen.

4. Aufgabe: Dokumentation der Studiendaten

Korrekte Ablage aller Dokumente

Sämtliche Dokumente müssen entweder im Original (z.B. die Einverständniserklärungen) oder in Kopie (z.B. die Case Report Forms) in der Arztpraxis bleiben.

Sie werden im Studienordner abgelegt und in einem abgeschlossenen Schrank oder Raum aufbewahrt.

Nur berechtigte Personen haben Zugriff zu den Dokumenten.

Übermittlung der Dokumente

  • Versand an das Kantonsspital Baselland
    • der Case Report Forms (Studienformulare) per Post im vorgefertigten Couvert
    • der aktualisierten Patientenliste per Fax
  • Gleiches Vorgehen falls ein Abbruch geschieht, z.B. wenn ein
    • Patient hospitalisiert wird
    • Patient nicht mehr erscheint
    • Patient verstirbt

Wichtig: Die Medikationsnummer muss auf jedem Formular angegeben werden!

Korrekte Archivierung der Studiendokumente

  • Nach Studienende müssen folgende Dokumente 10 Jahre in der Arztpraxis oder im Studienzentrum unter Verschluss archiviert werden:
    • Informed Consent - Einverständniserklärungen
    • Patientenliste mit Einschlussdatum
    • Kopien der Studienformulare
    • Liste der Studienmitarbeiter mit Kürzeln
  • Dies betrifft auch die Patientenakten, da diese Quelldokumente der Studie sind.
  • Nur berechtigte Personen dürfen Zugriff auf die Dokumente haben.

QUIZ

Ablage und Archivierung…

  • werden zentral vom Sponsor organisiert.
  • geschehen ausschliesslich elektronisch.
  • werden in Papierform in den einzelnen Prüfzentren oder beim Sponsor gemacht.

QUIZ - Lösungen

Ablage und Archivierung…

  • werden zentral vom Sponsor organisiert.
  • geschehen ausschliesslich elektronisch.
  • werden in Papierform in den einzelnen Prüfzentren oder beim Sponsor gemacht.

5. Aufgabe: Meldung von unerwünschten Ereignissen

Meldepflichten in klinischen Versuchen

Dokumentation und Meldung unerwünschter Ereignisse, die bei klinischen Versuchen auftreten, sind zentrale Verantwortlichkeiten der Prüfperson.

Dank der gemeldeten Vorfälle kann die Sicherheit eines Prüfpräparats bzw. einer Behandlung beurteilt werden:

  • Unerwartetete Effekte
  • Risiko/Nutzen Beurteilung
  • Beurteilung in speziellen Populationen

Die Meldewege und –fristen sind gesetzlich geregelt.

Ziel: Schutz der Studienteilnehmer

Serious Adverse Event (SAE)

Serious Adverse Event = Schwerwiegendes unerwünschtes Ereignis

Definition: Jedes Unerwünschte Ereignis, das

  • zum Tode führt oder lebensbedrohlich ist
  • eine Hospitalisierung oder die Verlängerung einer bestehenden Hospitalisierung zur Folge hat
  • zu einer dauerhaften und signifikanten Behinderung/Beeinträchtigung führt
  • eine erblich bedingte Abweichung/ein Geburtsdefekt ist
  • eine medizinische Intervention erfordert, um die oben genannten Folgen abzuwenden

Vorgehen bei Serious Adverse Event (SAE)

Prüfarzt

  • SAEs müssen dokumentiert und innerhalb von 24 Stunden an den Sponsor gemeldet werden.
  • RECUT-Studie: umgehend das Studienzentrum telefonisch kontaktieren. Insbesondere Todesfälle, Hospitalisationen oder andere ernste Vorkommnisse, die möglicherweise mit der Studie zusammenhängen, sind von grosser Relevanz.

Sponsor

  • SAEs mit Todesfolge müssen innerhalb von 7 Tagen an die zuständige(n) Ethikkommission(en) gemeldet werden.

Adverse Event (AE)

Adverse Event = Unerwünschtes Ereignis

Definition: jedes ungewollte medizinische Vorkommnis bei einem Studienteilnehmer, der ein pharmazeutisches Präparat verabreicht erhalten hat - egal, ob ein Kausalzusammenhang mit dem Präparat möglich ist oder nicht!

Beispiele: abnormaler Laborbefund, unerwünschte Symptome oder Erkrankungen

Vorgehen bei Adverse Event

Prüfarzt

  • Adverse Events müssen dokumentiert werden
  • RECUT-Studie: Dokumentation in Adverse Event Form

Sponsor

Einmal jährlich muss der lokalen Ethikkommission eine Liste aller unerwünschten Ereignisse gesendet werden.

QUIZ

Eine oder mehrere Antworten sind richtig.

Bei Auftreten eines SAE wird…

  • der Patient aus der Studie ausgeschlossen.
  • der Sponsor der Studie innert 24h informiert.
  • das SAE dokumentiert.

QUIZ - Lösungen

Bei Auftreten eines SAE wird…

  • der Patient aus der Studie ausgeschlossen.
  • der Sponsor der Studie innert 24h informiert.
  • das SAE dokumentiert.

Zusammenhang von AE/SAE mit der Studienmedikation

Ein AE (oder SAE) kann durch das eingesetzte Medikament oder Placebo ausgelöst werden oder unabhängig davon sein.

Wenn ein Kausalzusammenhang vermutet wird, unterscheidet man drei Fälle: die Arzneimittelwirkung ist…

  • …unerwünscht
  • …unerwünscht & unerwartet
  • …unerwünscht & unerwartet & schwerwiegend

Die Dokumentation dieser Fälle in klinischen Studien liefert neue Erkenntnisse über unbekannte Nebenwirkungen, Stärke von Nebenwirkungen in unterschiedlichen Patienten- oder Diagnosegruppen, usw.

Vorgehen bei unerwünschten Arzneimittelwirkungen

wenn nicht schwerwiegend (= AE) → Dokumentation in Adverse Event Form

wenn schwerwiegend (= SAE) → sofortige Meldung an das Studienzentrum & Dokumentation in Adverse Event Form

Entblindung

Das Studienzentrum kann im Notfall zusammen mit der Spitalpharmazie Basel eine Entblindung vornehmen.

Es wird Ihnen dann mitgeteilt, welche Therapie der betroffene Patient erhalten hat.

Notfallnummer Studienzentrum: 061 925 31 25

QUIZ

Was ist Entblindung?

  • Auf Anfrage wird dem Patienten im Nachhinein mitgeteilt, ob er in der Placebo- oder in der Verumgruppe war.
  • Bei einer Gefährdungssituation des Patienten wird dem Prüfarzt auf Anfrage mitgeteilt welche Therapie sein Patient erhalten hat.
  • Das Bundesamt für Gesundheit kann in gesetzlich geregelten Ausnahmefällen die Namen von Studienteilnehmern den Studiendaten zuordnen.

QUIZ - Lösungen

Was ist Entblindung?

  • Auf Anfrage wird dem Patienten im Nachhinein mitgeteilt, ob er in der Placebo- oder in der Verumgruppe war.
  • Bei einer Gefährdungssituation des Patienten wird dem Prüfarzt auf Anfrage mitgeteilt welche Therapie sein Patient erhalten hat.
  • Das Bundesamt für Gesundheit kann in gesetzlich geregelten Ausnahmefällen die Namen von Studienteilnehmern den Studiendaten zuordnen.

Fazit

Übersicht der Aufgaben der Prüfärzte

  1. Potentielle Teilnehmer identifizieren
  2. Einverständnis einholen
  3. Konsultationen und Abgabe der Studienmedikation
  4. Dokumentation der Studiendaten
  5. Meldung von unerwünschten Ereignissen

Ziele

Wir wünschen uns von Ihnen den Studieneinschluss von 8 Patienten.

Pro eingeschlossenen Patienten erhalten Sie ein Honorar über SFr. 150.-.

Eine statistisch signifikante Aussage erwarten wir, wenn 470 Patienten an der Studie teilnehmen.

Bei Fragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung:

  • Kristin Abig, Study Nurse, 061 925 37 54

Wir freuen uns auf eine gute Zusammenarbeit und sind gespannt auf die Ergebnisse der Studie!

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